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Ould Taya Reponsable de crimes contre l'humanité
Ould Taya Reponsable Verbrechen gegen die Menschheit
Ould Taya Reponsable of crimes against humanity
L'esclavage et ses consequences sur la plus grande communauté mauritanienne
Sklaverei
Slavery
Interview de
Boubacar Ould Messaoud Président de SOS-Esclaves
à la revue Allemande DIE WELT

Nouakchott - Er war selbst Sklave, jetzt berät er entflohene und entrechtete Menschen in Mauretanien: Boubacar Ould Mersaoud. Mit dem Chef der Organisation "SOS Sklaven" sprach Bernard Level.
DIE WELT: Gibt es in Mauretanien Sklaven?
Boubacar Ould Mersaoud: Wir nennen sie lieber "Gefangene". Ein Sklave ist ein Mensch, der seiner Freiheit beraubt wurde. Er weiß noch, dass er einmal frei war. Bei uns geht es um die Kinder und Kindeskinder von Sklaven. Freiheit kennen sie nicht einmal aus der Erinnerung.
DIE WELT: Aber Sklaverei ist verboten.
Mersaoud: Nein. Sie wurde 1980 von der Regierung für "abgeschafft" erklärt - unter dem Druck der UNO. Da unsere Regierung massiv von Hilfsgeldern abhängig ist, gab es 1981 ein Dekret mit drei Artikeln. Erstens: Sklaverei ist abgeschafft. Zweitens: Sklavenhalter werden vom Staat entschädigt. Drittens: Eine Kommission wird die Entschädigungen festlegen.
DIE WELT: Nicht die Opfer werden entschädigt, sondern die Täter?
Mersaoud: Genau. Aber dazu kam es nie. Die Folge: Sklaverei ist nirgends legal definiert, also rechtlich nicht nachweisbar und schon gar nicht strafbar. Von einem Verbot kann also keine Rede sein.
DIE WELT: Wie sieht der Gefangene seinen Herren?
Mersaoud: Der mauretanische Sklave ist der Traumsklave schlechthin. Er betet für seinen Herrn, er vergöttert ihn, er definiert die Welt und seinen Platz darin über die Zugehörigkeit zum Herren. Er sieht sich als Teil seiner Familie. Das macht es für Außenstehende so schwer, das Phänomen zu erkennen. Denn die Herren sagen ja nicht: Das ist mein Sklave. Sie sagen: Dies ist mein Neffe.
DIE WELT: Was heißt, der Sklave sieht sich als Teil der Familie?
Mersaoud: Mauretanien ist eine Stammesgesellschaft. Hier leitet jeder seine Identität über die Zugehörigkeit zu einem Stamm ab. Wer keinem Stamm angehört, ist ein Paria. Für den Sklaven ist der Herr die Verbindung zum Stamm. Zusätzlich gibt es eine zweite, menschliche Ebene. Die Mauren sind Nomaden, und das Nomadenleben verbindet. Die Rituale des täglichen Lebens sind für Sklaven und Herren dieselben, sie leben mit derselben Natur. So können tiefe Bande entstehen.
DIE WELT: Können Sklaven sozial aufsteigen, auch wenn sie Sklaven bleiben?
Mersaoud: Natürlich. Manche werden von ihren Herren an Sohnes statt angenommen, verwalten die Geschäfte des Herrn, werden gar reich. Sklavinnen können als Ziehmütter der Herrenkinder viel Einfluss erlangen oder geheiratet werden. Andere werden geschlagen, missbraucht, vergewaltigt.
DIE WELT: Sie selbst stammen aus einer Sklavenfamilie. Wie wurden Sie sich dessen bewusst?
Mersaoud: In der Schule. Ich muss dazu sagen, dass wir nicht für den Herrn arbeiteten, er hatte genug andere Sklaven. Wir lebten ein ganz normales Dorfleben. Aber in der Schule begannen mich die Mädchen der Herrenfamilien zu hänseln. Sie nannten mich "Abd" (Diener). Meine Onkel erklärten mir, dass dies die gottgewollte Ordnung der Dinge sei. Ich konnte das nicht akzeptieren. Schon damals beschloss ich, dass ich gegen dieses Unrecht kämpfen werde.
DIE WELT: Was heißt "von Gott gewollt"? Was sagt der Koran über Sklaverei?
Mersaoud: Etwas anderes als unsere Gelehrten. Der Koran erlaubt nur, Ungläubige zu versklaven. Und nur im Rahmen eines Heiligen Krieges, nach dreimaliger Aufforderung, zum Islam zu konvertieren. Aber wir sind alle Moslems. Dennoch erzählen die Imame den Sklaven, dass Gott von ihnen will, den Herren zu dienen.
DIE WELT: Wie viele Sklaven gibt es denn noch?
Mersaoud: Das ist schwer zu sagen. Fast die Hälfte der Bevölkerung sind "Haratins", schwarze Mauren. Dazu gehören Nachkommen von Sklaven, Freigelassene, Entflohene. Zusammen mit den tatsächlichen Sklaven kann man schätzen, dass mehr als die Hälfte dieser Menschen als Sklaven arbeiten, also ohne Lohn. Rund 15 bis 25 Prozent der Bevölkerung.
DIE WELT: Werden Sklaven noch verkauft und gekauft?
Mersaoud: Selten. Sklaven werden gegen Geld ausgeliehen, in der Erntezeit, oder gegen Geld verkuppelt, ein wenig wie in der Viehzucht. Aber es gibt keine Sklavenmärkte, wenn Sie das meinen.
DIE WELT: Sie leiten eine Organisation namens "SOS Sklaven". Was wollen Sie erreichen?
Mersaoud: Wir sind leider illegal, ich selbst war im Gefängnis. Sklaverei ist nicht verboten, aber es ist strafbar, darüber zu sprechen. Das nennt sich "Beschädigung des Rufes Mauretaniens". Wir beraten entflohene Sklaven, wie sie Arbeit oder einen Personalausweis bekommen können. Wir verfolgen drei Ziele: Legale Definierung der Sklaverei; Sklaverei muss unter Strafe gestellt werden; Entschädigung der Opfer. Wir brauchen eine Revolution in den Köpfen. Das Problem dieser Gesellschaft ist, dass wir die Urenkel von Sklaven haben und die Urenkel von Herren, und beide spielen nach den alten Regeln weiter.
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