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TRIBÜNE


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Tiziano Balmelli
ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Verfassungsrecht an der Uni Freiburg, wo er zum Thema Parteienfinanzierung dissertiert.
Weil wir in der Schweiz keine staatliche Parteienfinanzierung kennen, vergleichen wir allzu gerne die mageren Budgets unserer Parteien mit denen anderer Staaten Europas. Wir stellen dann zum Beispiel fest, dass die Parteien in einem andern Land achtmal mehr Geld zur Verfügung haben als bei uns. Mit solchen - recht unkritischen - Gegenüberstellungen liesse sich die Einführung einer Parteienfinanzierung durch den Staat rechtfertigen. Wie ein Zauberwort geistert in diesem Zusammenhang die «Professionalisierung des politischen Lebens» herum.


Mehr Geld, also mehr Demokratie?

  Die wahre Frage ist aber nicht die, über wie viel mehr Geld die Parteien anderswo verfügen. Interessant ist vielmehr, ob die öffentlichen Entscheidungsprozesse dort tatsächlich demokratischer und transparenter verlaufen als in der Schweiz, ob es der demokratischen Gesellschaft und dem Gemeinwohl besser geht. Sollte dies der Fall sein, möchten wir wissen, ob dies mit der staatlichen Finanzierung des politischen Lebens zusammenhängt. Nur wenn die Antwort auf alle drei Fragen klar Ja lautet, liesse sich eine spürbare Aufstockung der Parteienbudgets durch staatliche Massnahmen befürworten.
Dann stellt sich die zentrale Frage, welche Rolle Bürger und Bürgerinnen den Parteien zubilligen wollen. Hier muss das Volk die Antwort geben und nicht die politisch Verantwortlichen. Diese wären gemäss einem wohl bekannten psychologischen Mechanismus geneigt, für sich selbst immer mehr Befugnisse und Verantwortung zu beanspruchen, ihr eigenes Wohlergehen mit dem der Gesellschaft gleichzusetzen und sich in der Rolle des missionarischen Erlösers zu sehen - eine Rolle, die ihnen das Volk gar nie zugeschrieben hat.


Mehr Geld erhöht Lust auf Geld

  Erfahrungen im Ausland zeigen es: Die grossen Erwartungen, die in das System der staatlichen Parteienfinanzierung gelegt wurden, haben sich nicht erfüllt - weder im Sinne der Chancengleichheit, noch der Transparenz oder der Unabhängigkeit gegenüber wirtschaftlicher Macht. Der - wachsende - Zufluss öffentlicher Gelder hat meist den Appetit angestachelt und den Bedarf angeheizt. Die Folge waren Missbräuche bei der Verwaltung der öffentlichen Gelder und die Entstehung neuer und perverserer Korruptionsformen. Die ungezielte Verteilung von Staatsgeldern birgt als indirekte Folge eine weitere Gefahr: Behörden und Verwaltung könnten sich aufblähen - ohne Garantie, dass das schweizerische politische System bessere Resultate zum Wohle der Gesellschaft erbringen würde. Die Folge: ein Teufelskreis einer sich selbst befriedigenden Bürokratisierung.

Grösste Vorsicht bei Zuschüssen

  Es gilt also zu vermeiden, dass der Schaden grösser ist als der Nutzen. Deshalb ist bei staatlicher Parteienfinanzierung grösste Vorsicht geboten. In mehreren europäischen Staaten, wo sich die sogenannte «Professionalisierung des politischen Lebens» eingenistet hat, wünschen sich kritische Beobachter von Politik und Parteien unverzüglich wieder Qualität statt Quantität, das heisst Transparenz, Verantwortung und greifbare Resultate für die Gesellschaft.
Sicher bestünde in der Schweiz noch etwas Spielraum für eine stärkere Unterstützung der Politik. Trotzdem muss einer Wahlausgabenbeschränkung und einer Begrenzung der Propaganda erste Priorität gegeben werden, um Chancengleichheit zu schaffen und Geldverschwendung zu vermeiden.
Die Politik soll nur das Notwendige machen - dieses dafür gut.





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